KURZER EINBLICK IN UNSERE ORTSGESCHICHTE

 

Hennersdorf bei Wien, so klein und bescheiden es an der südlichen Grenze der Großstadt Wien auch liegt, hat seine "Geschichte".

Der Ort heißt übrigens wirklich Hennersdorf "bei Wien" und ist im Gegensatz zum berühmteren "Baden bei Wien" nicht 30, sondern vom Ortskern weniger etwa 1 km Luftlinie von der Stadtgrenze entfernt, die Gemeindegrenze schließt direkt an die Stadtgrenze an. Doch ebenso wie Baden hat Hennersdorf eine alte und lange Geschichte.

Am Kirchentor steht mit der Jahreszahl 1150 ein Datum, an dem die Pfarre mit ihrer Geschichtszählung begonnen hat, und zahlreiche bautechnische Details der Kirche beweisen auch, daß es sich um eine der ältesten Pfarrkirchen in Niederösterreich handelt.

Historiker aber nehmen die Gründung des heutigen Hennersdorfs aufgrund der Ortsnamenskunde schon im 11. Jahrhundert um 1050 an. Damit hätte die 1.700-Seelen-Gemeinde im Jahre 2050 ihr tausendjähriges Jubiläum und kann schon zur Jahrtausenwende entweder ihren 850. Geburtstag (Kirche) oder 950. Geburtstag (Historiker) feieren. Gefeiert wird sicherlich, und wegen der 100 Jahre wird man dabei sicherlich auch nicht streiten.

Und, egal wo Sie, lieber Internet-Gast, sich aufhalten, wir werden Sie über die Vorbereitungen zur Feier ebenso informieren wie über die Feier selbst. So bieder der Ort auch heute wirkt, er hatte im 17. Jahrhundert Türkenstürme zu überstehen und Bombenhagel im zweiten Weltkrieg mit zahlreichen Toten.

Traurigen Ruhm erlangte Hennersdorf durch die katastrophalen sozialen Mißstände in den immer noch existierenden Ziegelwerken. Ganze Familien, vom 8jährigen Kind (!) bis zum meist nicht sehr alt gewordenem ältesten Teil arbeiteten unter gesundheitsbedrohenden Umständen im Schlamm oder den Ziegelbrennereien und erhielten dafür nicht einmal Lohn, sondern Gutscheine zum Einkauf in der Werkskantine und dem Werk gehörenden Geschäften. Die sogenannten "Ziegelböhm", zugewanderte arme Menschen aus Böhmen, hatten zwar ein (mieses) Dach über dem Kopf und ein (überbezahltes mieses) Essen, waren aber im Prinzip Werkseigentum und konnten kein echtes Geld erwerben und daher das Werk auch kaum verlassen.

So gesehen waren die Zustände im Ziegelwerk, heute im Besitz des Weltkonzerns "Wienerberger", durch den Bericht Viktor Adlers und den darauffolgenden Streiks mit eine Basis zur Gründung und Stärkung der Sozialisten in Österreich. Von Biedermannsdorfer Ziegelwerken ausgehend griff der Streik 1885 auf das "Müllerwerk" über (die "Villa Müller" findet man am Hauptplatz bzw. der Orststraße) und das Ziegelwerk auf der "Laxenburger Straße". Beide sind heute gemeinsam die größte Ziegelfabrik der Welt und belasten die Hennersdorfer Luft, bringen dem Ort aber kaum finanziellen Gewinn. Von den 800 Arbeitern aus der Jahrhundertwende wurden durch Vollautomation nurmehr 8.

 

Im ersten Weltkrieg, als man endlich die Bedeutung des Luftkampfes zu spät erkannte, baute man in Hennersdorf einen Flugplatz zum Testen neuer Heeresflieger. Jagdflugzeuge wie der "Aviatik" starteten von hier zu Probeflügen ebenso wie Prototypen aus der Wiener Gutmannschen Flugzeugfabrik. Das war 1917, und ein Jahr später war der Krieg schon verloren.

Die Flugzeugära in Hennersdorf war in der bald tausendjährigen Chronik nur ein Augenzwinkern, wäre sie aber schon 1914 zu Kriegseintritt erfolgt, würde die Weltgeschichte heute vielleicht anders aussehen. Zudem - und das wissen heute nur mehr wenige - war Hennersdorf dadurch auch im Gespräch, zum Flughafen Wiens aufgewertet zu werden, hatten doch auch Berlin und andere Städte mittlerweile ihre Flughäfen. Das tragische Kriegsende verhinderte dies und nun dröhnen die vom nahen Schwechat startenden Maschinen über den einstigen möglichen Konkurrenten und stören die erhoffte Sonntagsruhe.

Mit der Einverleibung Österreichs als Ostmark ins Deutsche Reich 1938 wurde auch an die Erweiterung Wiens zu "Groß-Wien" gedacht und Hennersdorf als 24. Bezirk ein Teil davon. Zur Information an unsere Nicht-Wiener Web-Leser: Wien hat heute 23 Bezirke, der 23. grenzt an die Nachbargemeinde Vösendorf, die damals ebenfalls Groß-Wien einverleibt wurde.

Vom 15. Oktober 1938 bis zum 1. September 1954 waren die Hennersdorfer "Wiener" und sind jetzt wieder "Niederösterreicher". Dazwischen war der schreckliche 24. Mai 1944, um 10 h heulten die in Vösendorf angebrachten Luftschutzsirenen und um etwa 11 h fielen innerhalb von nur 4 Minuten 186 Bomben auf Hennersdorf, töteten 14 Erwachsene und fünf Kinder und zerstörten etwa 20 Gebäude.

Besonders tragisch war ein Volltreffer auf die Schule, wobei zahlreiche Menschen, Erwachsene und Kinder, verschüttet wurden und nur teilweise lebend geborgen werden konnten. Dieser Tag war gemeinsam mit dem Brandschatzen des Ortes beim Vorrücken der Türken gegen Wien im Jahre 1683 sowie der großen Feuersbrunst 1861, deren Folgen Kaiser Franz Josef höchstdaselbst in Augenschein nahm und Geld zum Wiederaufbau spendete, einer der drei schwärzesten Tage in der bald tausendjährigen Geschichte dieses Ortes.

In der Jetztzeit hat Hennersdorf mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Von Anbeginn an ein "Längsangerdorf", also ein sich links und rechts der Straße entwickelnder Ort, leidet Hennersdorf daran, nur eine Zu- und Durchfahrtstraße zu haben. Bei Bauarbeiten zum Beispiel am Bahngeleise müssen Umwege von 15 und mehr km gefahren werden, um in den Nachbarort zu gelangen. Durch den Ausbau der "Pottendorfer Linie" zur Hochleistungs-Bahnstrecke wird die Orts- oder Hauptstraße bald zum täglichen Staugebiet, wenn der Schranken zu ist, wovon jetzt schon fast täglich ein Vorgeschmack auf künftigen Alltagsschrecken zu bemerken ist.

Die Bewohner, soferne sie nicht als Bauern auf ihren eigenen Feldern und Höfen werken, arbeiten vorwiegend in Wien, der zuständigen Bezirksstadt Mödling oder im benachbarten Vösendorf. "Zweitwohnbesitzer" gibt es durch die Wiennähe nur wenige, wer hierhergezogen ist, hat seine Wiener Wohnung meist verkauft und wurde Hennersdorfer bzw. Hennersdorferin. Zur Stadtgrenze Großgrünmarkt (Wien 23) sind es mit dem Auto kaum 2 km, zur Stadtgrenze Favoriten (Wien 10) über Leopoldsdorf sind es rund 5 km, zu Fuß oder Luftlinie sind es kaum 1 km zur Stadtgrenze.

(English translation here)

 

 

Ex-Vizebürgermeister Ing. Helmut Dvoracek zeigt bei einer Ortsführung Bilder der Bombenschäden



 
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